Cloud-Computing - neuer Hype oder alter Hut?
Cloud-Computing – zu deutsch ungefähr „Rechnen in der Wolke“ – wird von der IT-Industrie,
Fachjournalisten und -beratern seit einiger Zeit bejubelt als die zukünftige Form des EDV-Einsatzes in Unternehmen.
Was ist damit gemeint? Nun, der Begriff „Cloud“ zu deutsch „Wolke“ meint das Internet. Die Unternehmen sollen,
anstatt selbst IT-Equipement (Server, Software, etc.) zu kaufen und zu unterhalten, die benötigte Rechenleistung
und den Speicherplatz im Internet bei entsprechenden Anbietern mieten. Dabei sollen sie immer nur genau die
Ressourcen bezahlen müssen, die sie gerade benötigen. Ein Beispiel: Firma X will ein neues Warenwirtschaftssystem
anschaffen. Hierzu wird ein Server für das Programm und eine Datenbank benötigt. Statt nun die Ausstattung zu kaufen,
wird das Programm auf einem anonymen Server im Internet installiert, die Datenbank vielleicht in einem Rechenzentrum in S
panien, Polen oder Equador angelegt. Monatlich bezahlt Firma X nun an den Provider eine Gebühr, die sich nach der
Rechenleistung des Servers und dem genutzten Speicherplatz richtet. Wird viel mit der Anwendung gearbeitet und werden
viele Daten erzeugt, ist die Gebühr hoch, umgekehrt entsprechend niedrig. Eine andere Variante könnte sein, der Anbieter
des Software-Programms mietet selbst Ressourcen im Internet an oder stellt sie bereit und Firma X zahlt für die Nutzung
seiner Software eine Gebühr z.B. pro Nutzungstag. Oder: Die Kapazität des Buchhaltungsservers reicht nicht aus, um die
monatliche Rechnungserstellung zeitgerecht abzuwickeln. Kein Problem, die fehlende Rechenleistung kauft man einfach z.B.
bei Amazon oder Google dazu!
Das alles klingt gut und weckt die Hoffnung, damit tatsächlich die EDV-Kosten senken
zu können. Sieht man genauer hin, stellen sich jedoch einige Fragen, z.B.: Ist das
alles wirklich so neu? Wo genau sind eigentlich die Daten gespeichert? Lohnt sich das
auch für kleine und mittlere Unternehmen?
Neu ist diese Idee keineswegs. Cloud-Computing ist genau genommen lediglich eine
neue Marketing-Strategie. Sie fasst größtenteils Leistungen zusammen, die unter anderem
Namen seit Jahren mehr oder weniger erfolgreich vermarktet werden. ASP (Application-Service-Providing),
Server-Hosting, Server-Virtualisierung, SaaS (Software-as-a-Service) oder IT-Outsourcing sind Ansätze, die
sich alle in dem neuen Begriff wiederfinden aber deshalb nicht wirklich neu sind. Einige dieser Ansätze, wie
z.B. IT-Outsourcing (ein Dienstleister betreut die interne EDV) oder Server-Hosting (die eigenen Server stehen im
sicheren Rechenzentrum des Dienstleisters) haben sich längst etabliert. Andere wie SaaS (man schreibt und speichert
z.B. seine Word-Dokumente und Excel-Tabelle unmittelbar im Internet) konnten sich bislang nicht durchsetzen und
hoffen mit dem neuen Hype auf ihren Durchbruch.
Hauptgrund, warum die Protagonisten von Cloud-Computing bei den Unternehmen auf wenig
Resonanz stoßen ist die Datensicherheit. Zugegeben, die Gefahr dass Daten durch technische
Defekte oder menschliche Fehler unbeabsichtigt vernichtet werden, ist gerade bei kleinen
Unternehmen wahrscheinlich größer als bei den technisch hochgerüsteten Internet-Anbietern. Aber welches
Unternehmen möchte seine Kundendaten, Umsätze und Buchhaltungsdaten an einen Internet-Provider übergeben,
der nicht genau sagen kann, von welchem Computer irgendwo auf der Welt diese Daten gerade verarbeitet und
wo sie eigentlich gespeichert werden?
Mittlerweile melden sich kritische Stimmen, die die Wirtschaftlichkeit von Cloud-Computing
anzweifeln; zumindest für große Unternehmen. Tatsächlich sind die Konzerne, die weltweit
viele eigene Rechenzentren betreiben gut beraten, ihre eigene „Wolke“ aufzubauen und z.B.
die Computer im brasilianischen Rechenzentrum den deutschen Mitarbeitern zur Verfügung
zu stellen, wenn in Brasilien Feierabend ist und die Kapazitäten dort nicht benötigt werden.
Hier werden seit Jahren Technologien eingesetzt, die eine effiziente und flexible Nutzung der
IT gewährleisten. Auch kleinere Rechenzentren mittelständischer Unternehmen setzen bereits
Methoden ein, die unter den Begriff Cloud-Computing fallen. Terminalserver-Farmen und
Server-Virtualisierung sind nur zwei Beispiele. Für kleine Unternehmen könnte es
interessant sein, z.B. eine komfortable Buchhaltungssoftware oder ein
Warenwirtschaftsprogramm nutzen zu können, ohne die normalerweise hohen
Investitionen in Technik und Know-How tragen zu müssen. Wie gesagt – das
Vertrauen in die Sicherheit der Unternehmensdaten vorausgesetzt. Doch klar
ist auch: Alle Beteiligten, ob Software- oder Hardwarehersteller,
Beratungsunternehmen oder Internet-Provider, alle werden versuchen
mit der neuen Strategie ihre Umsätze und Erträge zu steigern. Gezahlt
wird immer – so oder so.
Und übrigens: Wir alle nutzen bereits seit Jahren Cloud-Computing – oder haben Sie noch
keinen Internet-Zugang mit E-Mail-Adresse von z.B. t-online, 1&1 oder web.de? Also doch ein alter Hut!
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